„Spiegel“ zu Eralp-Veröffentlichung: Ergebnis einer Abwägung
Das öffentliche Interesse sei höher zu bewerten als die Sicherheitsbedenken von Eralp. „Das ist uns nicht leicht gefallen. Wir haben damit gehadert“, sagte Hickmann. Er habe dazu auch kritische Rückmeldungen bekommen. Er sagte zur Verteidigung der Vorgehensweise des Spiegel auch: „Man muss sich das ja nicht so vorstellen, dass da sitzt eine Runde von abgefuckten, zynischen Journalistinnen und Journalisten und sagt: ‘Geiler Scoop, den wir da haben.’“
Auch Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit verteidigte die Berichterstattung seiner Redaktion über Eralp in einem Leitartikel. „Jeder hat mal Angst, auch ein Chefredakteur“, schrieb Kurbjuweit. „So menschlich das ist, aber in manchen Rollen darf man sich nicht einschüchtern lassen, muss man seine Angst überwinden.“ Bei der eventuell künftigen Regierenden Bürgermeisterin Eralp seien Zweifel angebracht, ob sie dazu in der Lage sei. „Angst gibt den Angstmachern Macht, in diesem Fall Macht über Berlin.“ Am Ende stehe die Sicherheit Berlins über der Sicherheit einer Regierenden Bürgermeisterin, so Kurbjuweit.
Eralp sieht dem am Donnerstag veröffentlichen Spiegel-Bericht zufolge die Sicherheit ihrer Familie in Gefahr, wenn sie sich explizit zu einem bekannten Palästina-Aktivisten äußert. „Das heißt, dass eine Frau, die in der Hauptstadt regieren will, sich nicht traut, auf Nachfrage des Spiegel, einen Namen auch nur zu bestätigen“, sagte Hickmann. Man müsse das Verhalten Eralps so verstehen, dass sie sich von ihrer Angst leiten lasse und dadurch eventuell auch gegen bestimmte Personen nicht vorgehe, wenn sie im Amt sei. „Das ist ein Vorgang von einer solchen Tragweite, das müssen wir öffentlich machen.“
Die Befürchtungen Eralps gehen aus internen Anmerkungen zu dem Interview hervor. Das Dokument wurde demnach versehentlich samt der Kommentare von Eralps Büro an den Spiegel geschickt.
Das Magazin hatte Eralp am Montag interviewt. Am nächsten Tag habe man die schriftliche Fassung des Interviews zur Autorisierung an Eralps Sprecher geschickt. Einen Tag später sei das Interview mit Kommentaren und Anmerkungen zurückgekommen. Die Freigabe von Wortlaut-Interviews gehört in Deutschland zur journalistischen Praxis.
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