Selenskij-Vertrauter wegen Korruptionsverdacht in U-Haft
In der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren ukrainischen Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet, berichtet die dpa. Die Haft gelte für zunächst 60 Tage, Jermak habe die Möglichkeit, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, teilte der Richter am Morgen mit. Jermak und fünf anderen Verdächtigen wird Geldwäsche bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen.
Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden hatten Jermak am Montag offiziell als Verdächtigen in einem Geldwäscheskandal eingestuft. Dabei geht es um ein Luxus-Wohnprojekt und eine Summe von 10,5 Millionen Dollar, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters: Zum ersten Mal betreffen Ermittlungen damit den innersten Zirkel um Selenskij. Jermak galt lange als die zweitmächtigste Person in der Ukraine und als rechte Hand des Präsidenten. Der 54-jährige frühere Filmproduzent war zudem der führende Unterhändler Kiews bei Friedensgesprächen mit Russland. Jermaks Anwalt wies die Anschuldigungen als haltlos zurück. Selenskij selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.
Jermak war im November zurückgetreten, nachdem Ermittlungen einer weitreichenden Operation namens „Midas“ auch in seine Richtung geführt hatten. Auslöser war ein mutmaßliches Schmiergeldsystem im Energiesektor in Höhe von 100 Millionen Dollar. Im Zentrum stand dabei Timur Minditsch, ein ehemaliger Geschäftspartner Selenskijs aus dessen Zeit in der Medienbranche. Minditsch, der nach Israel geflohen ist, weist alle Vorwürfe zurück.
In den vergangenen Wochen hatte der Skandal neue Brisanz erhalten, als ukrainische Medien und Oppositionspolitiker mutmaßliche Abhörprotokolle von Minditsch veröffentlichten. Darin soll Reuters zufolge unter anderem von Immobilien sowie Personen namens „Andrij“ und „Wowa“ – die Kurzform von Wolodimir – die Rede gewesen sein. Für den Ruf des Präsidenten könnte sich die Angelegenheit als äußerst schädlich erweisen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits eine Kaution von vier Millionen Dollar für Jermak gefordert.