Kenianer sollen nicht mehr für Russland in der Ukraine kämpfen
Wie heikel das Thema ist, zeigte sich beim Besuch Mudavadis beim russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Mudavadi lobte einerseits die Beziehungen zu Moskau. Andererseits betonte er, dass man eine Vereinbarung getroffen habe, wonach sich Kenianer nicht mehr zum Kampf melden dürften. Lawrow betonte, kenianische Staatsbürger hätten freiwillig Verträge unterzeichnet, um an der Seite der russischen Armee zu kämpfen.
Es ist unklar, wie viele Afrikaner genau in der Ukraine kämpfen. Die Regierung in Kiew spricht von mehr als 1700 Afrikanern, die auf russischer Seite kämpfen. Analysten gehen jedoch von einer höheren Zahl aus. Einem im Februar den Abgeordneten vorgelegten Bericht des kenianischen Geheimdienstes zufolge wurden mehr als 1000 Kenianer rekrutiert, um an der Seite Russlands im Krieg in der Ukraine zu kämpfen – fünfmal so viele, wie die Behörden zuvor geschätzt hatten. Kenianische Politiker beschrieben ein Netzwerk aus korrupten Staatsbeamten, die mit Menschenhändlerringen zusammengearbeitet hätten. Oft sollen den Menschen über Dritte lukrative zivile Arbeitsplätze angeboten worden sein, bevor sie dann in Russland plötzlich an die Front mussten.
Afrikanische Regierungen behandelten das Thema bisher mit Zurückhaltung, wohl um Russland nicht zu verärgern. Doch nun zieht es größere Kreise. Inpact, eine in Genf ansässige Organisation, die die russischen Rekrutierungsnetzwerke untersucht hat, hat mehrere Listen von Rekruten verifiziert, darunter eine mit detaillierten Angaben zu 1417 Bürgern aus Afrika. Kamerun, Ägypten und Ghana gehörten danach zu den Ländern mit den meisten Rekruten, hieß es in einem im Februar veröffentlichten Bericht. Die Rekrutierung von Afrikanern sei der Kern einer gezielten Strategie, um die Zahl der Soldaten zu erhöhen, die die ukrainischen Verteidigungslinien mit Angriffswellen überrennen sollen, erklärte Inpact. „Wir glauben, dass wir mit diesen Zahlen erst an der Oberfläche kratzen“, sagte Lou Osborn, ein Mitglied von Inpact. Seit der Veröffentlichung des Berichts hätten sich mehr als 40 Familien an die Organisation gewandt und die Rekrutierungsmethoden bestätigt, sagte er. Ghanas Außenminister Ablakwa kündigte an, das Thema mit anderen afrikanischen Ländern als kontinentales Problem anzugehen.